Roland Dietl vom HIFI STATEMENT Netmagazin hat sich die LAN-Kabel von AIM ganz genau angeschaut. Seine Erkenntnisse könnt Ihr hier nachvollziehen:

AIM NA2, NA6 und NA9

Es sollte sich zwischenzeitlich herumgesprochen haben: in modernen Streaming-Lösungen, gerade auch mit HiRes-Formaten, spielen die Netzwerkverbindungen eine wichtige Rolle und haben einen nicht unerheblichen Anteil am klanglichen Endergebnis. Der japanische Spezialist AIM bietet dafür drei audiophile Serien von LAN-Kabeln an.

AIM kennen Sie nicht? Dann geht es Ihnen wie mir bis vor kurzem. AIM Electronics ist ein Kabelhersteller aus Japan und wurde 1983 gegründet. Der Schwerpunkt des Unternehmens lag im Bereich Datenkommunikationskabel für die Netzwerk-Industrie. Die Produkte wurden in umfangreichen Kommunikationsinfrastrukturen eingesetzt, wie den Universal Studios Japan, Netzwerksystemen an Flughäfen und von NTT (Nippon Telegraph and Telephon). Wer die gesamte Netzwerkverkabelung der Universal Studios Japan und des Kansai Flughafens Osaka ausgetüftelt hat, der versteht wohl sein Handwerk. Als die audiovisuelle Industrie begann, von analog auf digital umzusteigen, konnte AIM mit der Entwicklung sehr langer HDMI-Kabel glänzen. Diese Entwicklung markierte ab 2006 auch den Einstieg in den Consumer-Markt, denn auch hier wurden Kabel mit hoher Zuverlässigkeit, Bild- und Audioqualität benötigt. Es folgten 2010 spezielle LAN-Kabel für den Audio-Bereich und ab 2012 für Audio optimierte USB-Kabel. Heute bietet AIM eine breite Palette an hochwertigen Digitalkabeln für HDMI, USB und Ethernet an.

Die aktuelle Generation von AIM-Netzwerkkabeln umfasst derzeit drei Modelle: NA2, NA6 und NA9, wobei die Höhe der Modellnummer die Qualitätsstufe angibt. Der Preis des Einsteigermodells NA2 unterscheidet sich deutlich vom Flaggschiff NA9 und beträgt gerade einmal etwas mehr als ein Zehntel des NA9, das mittlere Modell kommt auf etwa 60 Prozent des NA9. Wie begründet sich diese signifikante Preisabstufung? Beginnen wir beim Top-Modell NA9. Ein LAN-Kabel besteht bekanntlich aus acht Adern, wobei jeweils zwei Adern miteinander verdrillt sind. Durch die Verdrillung entsteht ein Schutz gegen Einstrahlungen, wodurch die Datenübertragung weniger störanfällig wird. Beim NA9 besteht jede Ader aus einem Einzeldrahtleiter (Solid Core) aus hochreinem sauerstofffreien Kupfer (OFC) in der Größe AWG22, der mit einer speziell entwickelten, geschäumten Polyethylen-Isolierung umzogen ist. Dann folgt ein vierlagiger Schirmaufbau, der unterschiedliche Materialien kombiniert, um eine hohe Abschirmwirkung über einen breiten Frequenzbereich zu erzielen. Zunächst wird jedes Ader-Pärchen mit einem von Asahi Kasei entwickelten Abschirmband mit dem Namen Pulshut®MU umwickelt. Es handelt sich dabei um eine dünne flexible Folie, die keine magnetischen Materialien verwendet. Die Folie soll für eine Verringerung von unerwünschten elektromagnetischen Störungen und Strahlungsgeräuschen sorgen, die von Geräten und Kabeln ausgehen. Über jedes Ader-Pärchen kommt dann zusätzlich eine Aluminiumfolie, die eine hervorragende Abschirmung gegen hochfrequente Störungen bietet. Alle vier doppelt geschirmten Ader-Pärchen werden anschließend gemeinsam mit Kupferfolie umwickelt, die für eine gute Abschirmung über den gesamten Frequenzbereich sorgt. Darüber wird dann noch ein hochdichter Schirm aus Kupfergeflecht gezogen, um die Abschirmung gerade im Niederfrequenzbereich weiter zu verbessern. Über die Schirmkonstruktion kommen ein Innenmantel aus einem leitfähigen Funktionsmaterial und schließlich der schwarze Außenmantel.

Mehr Aufwand bei der Abschirmung ist kaum vorstellbar. Doch die beste Abschirmung nutzt nichts, wenn diese an billigen Steckern wieder verloren geht. Doch AIM lässt an dieser Stelle nichts anbrennen und verwendet erstklassige Stecker der höchsten Qualitätsstufe von Telegärtner mit solidem Metallgehäuse aus vernickeltem Zinkdruckguss, die eine ausgezeichnete Abschirmung nach allen Seiten gewährleisteten. Wenn Sie nun aufgrund der umfangreichen Abschirmungsmaßnahmen ein dickes und bocksteifes Kabel erwarten, werden Sie überrascht sein. Der Außendurchmesser des NA9-Kabels beträgt moderate 10 Millimeter und das Kabel ist schön biegsam, was die Verlegung sehr erleichtert. Das NA6 ist im Aufbau dem NA9 recht ähnlich. Die Adern bestehen ebenfalls hochreinen OFC-Einzeldrahtleiter (Solid Core), allerdings leicht reduziert in der Größe AWG24. Auf die Pulshut-Ummantelung muss das NA6 verzichten, so dass wir eine Dreifach-Abschirmung anstelle einer vierfachen Abschirmung vorfinden. Interessanterweise ist beim NA6 der Schirm an den beiden Enden bei den Steckverbindern asymmetrisch (geerdet und nicht geerdet) aufgelegt. Deshalb sollte das Kabel tunlichst entsprechend der angegebenen Laufrichtung angeschlossen werden. Der Außendurchmesser des NA6 beträgt 9 Millimeter und das Kabel ist noch etwas flexibler als das NA9. Auch beim NA2 bestehen die Adern aus Einzeldrahtleitern und nicht aus Litzen. Als Leitermaterial kommt Kupfer in der Größe AWG24 zum Einsatz. Auf die Einzelabschirmung der Ader-Pärchen muss das NA2 verzichten. Mit 7 Millimeter Außendurchmesser ist das NA2 etwas dünner als die großen Geschwister, aber nicht so flexibel, was am einfacheren Material für den Mantel liegen dürfte. Die Gesamtschirmung besteht aus Aluminiumfolie und einem darüber gezogenen hochdichten Kupfergeflecht. Die Stecker besitzen ein Gehäuse aus Polykarbonat mit Messingvernickelung, um ausreichend Abschirmung zu gewährleisten.

Kabelaufbau hin oder her, mich interessiert, was bringen die Kabel klanglich in der Praxis. Um dem nachzugehen, habe ich folgende Konfiguration verwendet: Ein kleiner EdgeRouter X von Ubiquiti spannt ein eigenes Audio-Netzwerk auf und stellt die Verbindung ins Internet her. Vom Router geht es in den Silent Angel Switch Bonn NX, der von der Clock Genesis GX seinen Takt bezieht. Am Switch hängen mein Server mit den Musik-Dateien und die Diretta Lucia Piccolo Bridge. Von der Bridge geht es über USB via das SOtM USB Hub tX-USBultra in meinen PS Audio DirectStream DAC. Ich habe die AIM Kabel zunächst für die Verbindungsstrecke zwischen Switch und der Diretta Bridge verwendet. Das ist, wenn Sie so wollen, meine „letzte Meile“ im LAN-Bereich. Hier sollten sich Qualitätsunterschiede in den Netzwerkkabeln am deutlichsten niederschlagen. Lassen Sie uns mit dem NA2 beginnen. Als Vergleich dient ein gutes CAT 7 Kabel von der Stange. Der klangliche Zugewinn beim „Klavierkonzert in A-Moll“ von Edvard Grieg mit Radu Lupu als Solisten und dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von André Previn (Decca Legacy Volume One – FIM UHD) ist leicht nachzuvollziehen. Die Abbildung der einzelnen Instrumente gerät sowohl in der Breite als auch in der Tiefe präziser und natürlicher. Die Positionierung der Instrumente ist klarer und die Trennung der vorderen und hinteren Instrumentengruppen wird besser hörbar. Bei „The Man Who Sold The World“ in der Interpretation von Claire Martin mit interessanten Jazz- und Tango-Elementen (Linn Records FLAC Studio Master) stehen Sängerin und Begleitinstrumente besser gestaffelt im Raum. Der Wechsel zum NA6 lässt mich staunen – das ist doch eine ganz andere Liga. Der größte Unterschied zum NA2 liegt in der deutlich größeren Transparenz und Klarheit. Im Klavierkonzert bleibt der Konzertflügel nun auch in Forte Passagen klar abgegrenzt von den anderen Instrumenten und wird doch gleichzeitig harmonisch in das Orchester integriert. Einzelne Themenbögen in den verschiedenen Stimmen lassen sich wesentlich besser verfolgen. Die Auflösung im Hochtonbereich ist ausgezeichnet. Insgesamt hinterlässt das NA6 tonal auch einen deutlich volleren und farbenreicheren Gesamteindruck als das NA2. Bisher noch vorhandene Härten sind jetzt weitgehend verschwunden. Das kommt der Stimme von Claire Martin zu Gute, deren Eigenheiten damit besser herausgearbeitet werden. Das gesamte Klangbild wirkt auf mich ruhiger und ausgeglichener als beim NA2.

Eigentlich bin ich mit dem NA6, je länger ich höre, sehr zufrieden. Was soll der Wechsel zum NA9 noch bringen. Ich höre das Album Masterpiece of Folklore Music (XRCD24-NT001) von und mit Mario Suzuki. Der Japaner gilt als ein Ausnahmetalent der Folklore Gitarre. Aufgenommen wurde mit einer Bandmaschine bei 76 Zentimeter pro Sekunde vollständig analog und erst danach digitalisiert. Mit dem NA9 klingen die Gitarren jetzt noch einmal so viel realistischer, mit mehr Volumen und Körperlichkeit – das habe ich so nicht erwartet. Das Timing ist bestechend und die Räumlichkeit weiß mit ihrer Natürlichkeit zu glänzen. Die Auflösung und Wiedergabe kleinster Details, wie etwa Griffgeräuschen, sind bestechend.

Ich wechsle zurück zum Klavierkonzert: Jeder Klavieranschlag steckt auf einmal voller Mikro-Dynamik und wirkt geradezu nachgeschärft. Es ist jederzeit klar, ob eine Taste gefühlvoll weich gedrückt oder in Staccato-Passagen die Finger schnell von den Tasten abgestoßen werden. Alle Instrumente des Orchesters klingen noch ausgefeilter, dreidimensionaler und damit letztendlich irgendwie „echter“. Darüber hinaus beeindruckt mich beim NA9 ganz besonders der geschmeidige und scheinbar vollkommen mühelose Hochtonbereich. In der erstklassigen Aufnahme des 1. Satzes aus dem „Divertimenti K. 136“ von W. A. Mozart mit der Academy of St. Martin In The Fields unter der Leitung von Neville Marriner (Decca Legacy Volume Four – FIM UHD) erklingen die Violinen damit ausnehmend natürlich, immer ohne jegliche Härte und stets den tonalen Charakter wahrend. Die Wiedergabe der Streicherpassagen wird mit den NA9 zum absolut entspannten Hörgenuss. Das NA6 kann da nicht ganz mithalten: die Streicher haben im direkten Vergleich einen leichten Glanz, der im ersten Eindruck durchaus angenehm wirkt, den ich aber im direkten Vergleich dann doch eher als künstlich empfinde. Das ist ein Effekt, für den ich inzwischen immer irgendwie geartete Störgeräusche in der digitalen Wiedergabekette verantwortlich mache. Sehr deutlich zu hören ist dies auch bei „The very thought of you“ mit Emilie-Claire Barlow (Jazz Ballads – 2xHD 24/44,1). Die mit dem NA6 noch vorhandene leichte Unschärfe um die Sängerin herum, die eine gewisse Räumlichkeit vorspiegelt, ist mit dem NA9 praktisch vollständig verschwunden. Schnell wird mir klar, dass ich mit dem NA9 – zumindest für meine „letzte Meile“ im LAN-Bereich – einen persönlichen Favoriten gefunden habe. Kann man das Ganze noch steigern? Ja, kann man. Im nächsten Schritt tausche ich das Standard LAN-Kabel zwischen Switch und Server gegen das NA2 aus. Im Klavierkonzert wird das Klangbild damit noch fokussierter und der räumliche Eindruck verbessert sich ebenfalls leicht, insbesondere weil die einzelnen Instrumente noch präziser im Raum gestaffelt sind. Ein Wechsel auf das NA6 bringt an dieser Stelle zusätzlich noch einmal mehr Ruhe und Entspannung ins Klangbild. Ein zweites NA9 habe ich leider nicht zur Hand … Diese Erfahrung zeigt deutlich, dass es in meiner Konfiguration auch beim Einsatz eines exzellenten Switches, wie dem Silent Angel Bonn NX, keineswegs egal ist, wie die Strecke zwischen Server und Switch verkabelt ist. Gerade wenn es um Störsicherheit und ein „sauberes“ Signal geht, sind gute LAN-Kabel mit entscheidend für die klangliche Gesamtperformance.

STATEMENT

Die drei LAN-Kabel von AIM wissen – jedes für sich in seinem Bereich – zu begeistern. Das NA2 ist eine klanglich überzeugende Alternative zu Standard LAN-Kabeln von der Stange. Das NA6 liegt sowohl klanglich als auch preislich in der goldenen Mitte zwischen NA2 und NA9. Und das NA9 ist ohne jeden Zweifel ein Top-Kabel für Anwender, die – entsprechendes Equipment vorausgesetzt – das volle Potential moderner hochauflösender Klangquellen ausschöpfen möchten.

Alle Infos zu den AIM Produkten auf den deutschen Herstellerseiten: AIM Electronics – High Performance-Netzwerkkabel aus Japan

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