fairaudio hat sich an den Boliden gewagt und den Soulnote A-3 Vollverstärker getestet. Ausnahmsweise beglücken wir Euch mal nicht mit dem Fazit sondern veröffentlichen hier den kompletten Test. Aber ein Nachlesen des Originals lohnt natürlich trotzdem, weil wir hier mit der Anzahl der Fotos limitiert sind. Außerdem gibt es zahlreiche Links zu Fachbegriffen. Trotzdem viel Vergnügen beim Studium:

„Verlockend locker

Was wackelt, ist aber tresorhaft verarbeitet? Richtig: Soulnote-Gerätschaften. So auch der neue Vollverstärker aus der Flaggschiff-Linie der Japaner, der Soulnote A-3 (Preis: 20.990 Euro). Zentimeter starkes, perfekt verarbeitetes Metall, wohin man blickt – aber beim Erstkontakt mit Deckel, Boden oder den rückseitigen Schnittstellen denkt der Uneingeweihte: „Das darf doch wohl nicht wahr sein!“ – „Das muss sogar so sein“, wird ihm Chefentwickler Hideki Kato entgegenhalten, „sonst klingt’s nicht!“ Bei diesem Verstärker-Dickschiff (Lebendgewicht: 31 Kilogramm) läuft wirklich einiges anders …

Soulnote – oder wenn Marantz-Mitarbeiter eigene Wege gehen

Seit die Marke Soulnote von der IAD vertrieben wird, ist sie bei deutschen Audiophilen Gesprächsthema. Das ist ungewöhnlich, an Neuzugängen mangelt es dem HiFi-Markt ja nicht, den meisten fällt es allerdings schwer, die Aufmerksamkeitsschwelle zu überwinden. Dass es bei Soulnote anders ist, mag am eingängigen Namen liegen oder dem professionellen Marketing – vor allem aber wohl an den konzeptionellen Eigenheiten der Japaner. Und dass sich die zum Teil auch demonstrieren lassen, ist bestimmt kein Nachteil: Hideki Kato zeigt auf Vorführungen gerne, was klanglich passiert, wenn man etwas auf den Gehäusedeckel seiner Komponenten legt. Das kommt in der Szene natürlich gut an.

Wirklich „brandneu“ ist Soulnote übrigens nicht: Die Firma ist eine Tochtergesellschaft von CSR Inc., eines von ehemaligen Marantz-Mitarbeitern 2004 gegründeten Unternehmens, das hauptsächlich mit Funktechnik seine Brötchen verdient. Der Legende nach kam Kato-san – seit Jahrzehnten als Audio-Entwickler unterwegs, unter anderem, Sie ahnen es, bei Marantz – mit ins Boot, als man bei CSR auf die Idee verfiel, eine Karaoke-Maschine zu bauen. Dabei ist es ganz offenbar nicht geblieben … Seit 2016 ist der Herr nun „Chief Sound Manager“ bei Soulnote, hat dort entwicklungstechnisch freie Hand und kann gleichzeitig auf die Ressourcen und das Netzwerk eines „richtigen“ Unternehmens zurückgreifen. Keine schlechten Voraussetzungen, um Außergewöhnliches zu schaffen. Von den circa 60 Mitarbeitern bei CSR arbeiten inzwischen 15 für die Highend-Sparte Soulnote, die in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat.

Soulnote A-3: Technisches Konzept

Bei der Entwicklung eines Verstärkers konzentrieren sich die meisten auf die Schaltung und überlegen danach, wie sie sie ansprechend verpacken können. Hideki Kato hingegen scheint die Sache beim A-3 von der Mechanik her anzugehen oder doch zumindest beides – Elektronik und Mechanik – als interdependentes Ganzes anzusehen. Ja, klar, nicht jede Lösung ist gleich revolutionär neu, schwimmend gelagerte Gehäusedeckel kennt man von Esoteric, fröhlich wackelnde Eingangsbuchsen von Naim, aber in dieser Menge und Konsequenz ist‘s doch ziemlich einmalig. Beim A-3 wackelt nicht allein der Deckel, sondern auch der Boden, nicht nur die Eingänge, auch Kaltgerätebuchse und Lautsprecherterminals.

Und an vielen weiteren Stellen lässt sich das Bemühen um Vibrationskontrolle und Mikrofonieminimierung ablesen. Ich schäle den schweren Jungen aus der Kartonage, plötzlich habe ich ein Brett in der Hand – und ein Fragezeichen im Kopf. Bis mir wieder einfällt, was Krey Baumgartl vom deutschen Vertrieb mir schon auf den letztjährigen Mitteldeutschen HiFi-Tagen verriet: Man wisse ja nicht, worauf der Kunde den Verstärker stelle, und bevor man das Risiko eingehe, dass der Amp auf einen klanglich nicht optimalen Untergrund treffe, liefere Hideki Kato lieber gleich eine passende und akustische bewährte Birkenholzplatte mit, in der sich die drei Spikes des Soulnote A-3 genüsslich versenken können. Nebenbei wird so das HiFi-Mobiliar vor den spitzen Dingern geschützt. Das nenne ich mal umsichtig.

Die Stromversorgung

Noch so eine Sache: Auf der Webseite lese ich etwas von „unimprägnierten“ Ringkerntransformatoren und vermute, dass es sich um einen Tippfehler handelt. Dem ist nicht so: Die beiden 700-VA-Ringkerne imprägnierte man ganz bewusst nicht, denn von solcherlei Dämpfung halte man nichts, das klänge schlecht, so Kato. Das sei hier so ähnlich wie mit dem Gehäusedeckel, den hätte man schließlich auch ganz normal dämpfen und fixieren können, doch so lose gelagert wie jetzt überzeuge ihn das akustische Ergebnis mehr. Im Fall der kanalgetrennten Trafos und deren potenziell klangschädlicher Wirkung auf die Verstärkerschaltung ließ man sich eine „Dreipunkt-Gleitstruktur mit Titan-Gleitern“ einfallen, die die Übertragung von Vibrationen vermeiden und Eigenschwingungen des Verstärkerblocks ableiten soll.

Die Steuerschaltungen des A-3 werden übrigens von einem separaten, hinter der Front platzierten Transformator mit Strom versorgt, zudem sorgen Optokoppler für eine galvanische Trennung von der Audioschaltung. Alle drei Trafos stehen „aufrecht“ im Gehäuse, damit die Magnetfelder parallel zur Platine verlaufen, was sich klanglich ebenfalls positiv bemerkbar machen soll.

Wer nun von der Dimension der Transformatoren auf gewaltige Siebkapazitäten schließt, liegt falsch. Denn: „I believe that capacity should be reduced wherever possible. Because it sounds better that way. Too much capacity makes the sound boring“, so Hideki Kato. Das ist mal eine erfrischend unorthodoxe Ansicht. Und in der Tat kommt der Soulnote A-3 nur auf 64880 µF „Siebung“, ein Wert, der einen nicht gerade umhaut. Doch das sei halt nicht entscheidend, viel wichtiger vielmehr eine „schnelle Stromversorgungskonfiguration“, und zu diesem Zweck setze man statt auf wenige große auf viele kleine Folienkondensatoren – auf insgesamt 120 Stück, um genau zu sein.

Die Schaltung

Die Japaner verzichten beim Soulnote A-3 auf Über-alles-Gegenkopplung, da sie weniger an den Messwerten im „statischen Betrieb“ interessiert sind – eine hohe Gegenkopplung minimiert Verzerrungsprodukte und sorgt in der Regel für Linearität – als vielmehr am dynamischen Verhalten bei der Musikwiedergabe an der komplexen Lautsprecherlast. Okay, dergleichen hört man öfter, und tatsächlich erstaunt der THD-Wertdes A-3 eher, weil er recht hoch ist: 0,27 % (1 Watt, 8 Ohm). Wem viele Nullen hinterm Komma wichtig sind, ist hier falsch. Aber hey, wir sind ja auch nicht mehr in den Achtzigern … Als richtiggehender Leistungsbolide geht der Soulnote ebenfalls nicht durch, 2 x 120 Watt an 4 Ohm stehen im Specsheet.

Der A-3 ist ein Gegentakt-Verstärker und arbeitet im Class A-B Modus. So weit, so konventionell. Interessant ist die Begründung für diese Grundsatzentscheidung – Hideki Kato ist nämlich der Meinung, dass Class-A-Verstärker prinzipiell schlechter klingen, denn der hohe Ruhestrom sorge unter anderem für thermisches Rauschen, was das Klangbild weniger transparent erscheinen lasse. Ich sagte es ja bereits, der Mann hat seine eigenen Ansichten. Interessant ist auch die Umsetzung dieser sogenannten „SEPP“-Schaltung. Das Akronym steht für Single Push Pull: Je Kanal gibt es nur zwei bipolare TO3-Transistoren, also genau einen pro Halbwelle, die im Gegentakt das Musiksignal verstärken. Montiert wurden die Endtransistoren auf Kupferschienen, die als Kühlkörper und gleichzeitig zur Stromversorgung dienen, Bohrungen lassen die Anschlusspins hindurch, sodass sie mit der darunterliegenden Platine verlötet werden können. Es ließe sich noch so einiges zur Technik des A-3 sagen, doch ich vermute, dass Sie den Auftritt im Hörraum für spannender halten, also direkt dorthin.

Soulnote A-3: Hörtest und Vergleiche

Erste Amtshandlung: Flugs ein Portemonnaie auf den Gehäusedeckel des A-3 gelegt, denn so geht’s auch bei Soulnote-Vorführungen zu, also baue ich den Vergleich „mit/ohne Deckelbeschwerung“ doch gleich einmal in meinem Hörraum nach. Es ist schon amüsant: Nicht, dass man „mit“ nicht hören könnte, klar klingt’s auch so sehr gut. Doch „ohne“, also mit freiem Deckel, eben ein entscheidendes Stückchen offener, transparenter und plastischer. Erstaunlich, was das bisschen „Resonanzverschiebung“ oder wie man das nennen soll ausmacht. Die Japaner kennen offenbar den optimalen Punkt beim Gehäusebau.

Der Form halber, wie ich zunächst vermute, probiere ich anschließend den rückseitig schaltbaren Ground-Lift aus. Der trennt die Signalmasse vom Erdpotential und kann bei Brummproblemen helfen, heißt es. Mit solchen habe ich eigentlich nie zu tun, und so ist es auch jetzt, in der einen wie der anderen Schalterstellung: null Brumm. Aber gleichwohl ist da ein vernehmlicher klanglicher Unterschied, der von Art und Ausmaß dem obigen Gehäusedeckelspielchen gleicht. In meiner Kette klingt‘s jedenfalls vernehmlich besser, wenn der Ground geliftet ist – was ich optisch tatsächlich ein wenig bedauere, denn dann leuchtet vorn ein Lämpchen blau statt, passend zum Display, rot. Ob sich das bei Ihnen ebenfalls bemerkbar macht, weiß ich nicht, meine Empfehlung lautet aber: auf jeden Fall ausprobieren, auch wenn’s nicht brummt. Jetzt aber mal los …

Dichtung und Wahrheit – die Tonalität

Keine Bange, ich möchte hier nicht allzu poetisch werden, obwohl die Versuchung da ist, denn nur mit der trockenen Klang-Checkliste in der Hand wird man dem Soulnote A-3 nicht gerecht. Der ist einfach zu gut. Doch sei’s drum, fangen wir trotzdem erst einmal ganz prosaisch mit der tonalen Ausrichtung des Edel-Integrierten an.

Die ist balanciert und breitbandig. Klar, auch im Hochton, der ist bis in höchste Lagen komplett da; was mich aber mehr erstaunt ist der Durchzug im Tiefbass. So etwas darf man von einem Gerät dieser Preisliga zwar erwarten, schon richtig – aber beim Vergleich mit meiner gleichteuren Vor-End Kombi von Pass habe ich „aufs schnelle Ohr“ tatsächlich den Eindruck, dass der Japaner ganz untenrum nachdrücklicher zulangt. Was komisch ist, hält die Pass-Endstufe doch gut viermal so viel Leistung bereit.

Nun, man sollte ersten Eindrücken nicht immer trauen, etliche Wochen Musikgenuss später weiß ich, woher der rührt. Eigentlich bieten beide Verstärker im Subbass die gleiche „Menge“, der Pass sattelt im mittleren und oberen Tiefton aber noch mehr drauf, während der Soulnote linear bleibt. Sein „Bassmix“ erscheint damit insgesamt relativ schlanker – man darf ihn neutral nennen – und tiefer, da besagte Akzentsetzung weiter oben fehlt.

Aber da ist noch etwas: Der Japaner bietet tatsächlich mehr Kontur und Durchzeichnung als die US-Endstufe. Nun ist Pass auch nicht bekannt für höchsten Dämpfungsfaktor und mörderische Tieftonkontrolle, das ist für mein Empfinden zwar keinesfalls weich, „staubtrocken“ aber ebenfalls nicht. Wie dem auch sei, der Soulnote A-3 geht ein bisschen strukturierter vor, und das auch ganz untenrum. Weil es ihm andererseits aber auch nicht gleich „eisenhart“ gerät, lässt er akustische Instrumente im Bass natürlich-frei aufspielen, trocknet sie nicht aus. Tatsächlich wüsste ich nicht zu sagen, wann ich den Kontrabass zu Beginn des Stücks „The Testament of my Heart“ vom Kari Ikonen Trio (Album: Bright) mal derart überzeugend habe „singen“ hören – satter oder schlanker im Ton, trockener oder weicher, ja, das schon. Aber nicht so über-alles-authentisch, wie der Soulnote ihn präsentiert, der die genau richtige Mischung rüberbringt. Das ist wirklich famos.

Wenn ich recht überlege, gibt’s eigentlich nur eine Stelle, bei der der Soulnote nicht wirklich neutral agiert: Sein Grundton fällt eine Spur sonorer aus. Das merke ich bei der Stimmwiedergabe, aber auch bei der Akustikgitarre im Julie-Byrne-Song „Sleepwalker“ (Album: Not Even Happiness), die nämlich genauso üppig ausgebaut wirkt wie ich das kenne. Und das heißt: angenehm kräftig, ohne allzu dick aufzutragen. Ein inzwischen in der gleichen Preisklasse angesiedelter Soulution 330 NT taugt als Gegenbeispiel und gibt den Tugendbold, tritt er doch straight-neutral auf – und somit flirriger, mit mehr Fokus auf die Saiten denn aufs Holz des Gitarrenkorpus. Das kann man „richtiger“ nennen (wenn man im Studio großgeworden ist), aber letztlich zählt natürlich, ob es zum Anlagen-Mix und Hörgeschmack passt.

Stärken: Auflösung, Klangfarben, Plastizität

Testkandidaten kommen und gehen, und oft ist es so, dass es klanglich in eine vernehmlich andere Richtung geht – anders als das, was einem die eigene Referenz bietet. Das ist auch recht praktisch: Je größer der Unterschied, desto leichter gewinnt man einen Eindruck vom Klangprofil des Probanden. Beim Soulnote A-3 ist es freilich etwas anders gelagert, tatsächlich habe ich den Eindruck, bei ihm gibt’s im Wesentlichen mehr vom Gleichen. Was als dickes Kompliment durchgeht, schließlich habe ich meine Verstärker-Kombi nicht zufällig ausgewählt. Und nun kommt dieser Japaner daher und legt bei deren Stärken – Auflösungsvermögen, authentische Klangfarben, Plastizität der Abbildung – hier und da doch glatt noch ein Stückchen drauf.

Während es sich im Mittelton, beispielsweise bei der Wiedergabe eines Cellos wie auf Heinrich Schiffs Bach Cello Suites Nos. 1-6 oder Leyla McCallas Album Vari-Colored Songs, mit der Auflösung von Textur und Timbre ähnlich verhält und in beiden Fällen ein sehr reines, natürlich wirkendes Abbild geboten wird, scheint mir der Soulnote im Hochton offener und freier zu spielen. Das zeigt sich etwa bei Björks Stück „Frosti“, das famos eingefangene Glockenspiel schimmert mit dem A-3 noch mal spektakulärer durch den Raum, und das war schon vorher bestimmt nicht schlecht. Nicht, dass der Hochton wirklich kräftiger rüberkommt, das Level ist neutral, aber differenzierter eben schon. Wer eine Fotometapher sucht: Nicht die Leuchtkraft des Bildschirms wird hochgedreht, vielmehr stehen mehr Farbwerte zur Auswahl. Noch etwas zeichnet den A-3 aus: Während manche Noten noch ausklingen und „wegschimmern“, werden die frisch angespielten hochpräzise und genau abgezirkelt ins Klangbild geschickt, sodass sich Impuls- und Sustain-Anteile zu einem wunderbar feingliedrigem Ganzen arrangieren, zu einem Bild, bei dem keine vermeintlich nebensächliche Stelle vernachlässigt wird. Das ist Grauschleierfreiheit at its best. Sorry, jetzt musste ich doch poetisch werden.

Dass neben dem Auflösungsvermögen diese griffige „Auf den Punkt“-Abbildung der Klänge eine zentrale Stärke des Soulnote ist, zeigt sich fortwährend, so auch bei „Masseduction“ von St. Vincent (Piano Version): Jeder Klavieranschlag sitzt exakt und die Stimme schwebt plastisch im Raum. Vielleicht etwas kleinformatiger als ich es gewohnt bin, dafür aber konkreter und randschärfer.

Bühnen und Dynamik

Schwächen kann ich beim A-3 keine ausmachen, doch natürlich besitzt auch der Soulnote Eigenschaften, die nicht jeden Hörgeschmack gleichermaßen bedienen. Dass er hochpräzise und 3D-haft abbildet, sagte ich schon – und eine Nebenwirkung davon ist, dass die Staffelung im Raum sehr überzeugend gelingt, die Tiefendimension wird eh gut ausgeleuchtet und durch die sehr akkurate Abbildung gelingt ein transparentes, durchsichtiges Bühnenbild.

Was nun die Raumdimensionen insgesamt und insbesondere die Bühnenbreite angeht, herrscht beim Soulnote eher Realismus als verschwenderische Üppigkeit. Es geht mit ihm schon mal ein halbes Schrittchen vor die Stereobasis oder seitlich neben die Lautsprecher. Aber eben kein ganzes. „Kompakt“ ist das falsche Wort, aber in dieser Preisliga gibt‘s Amps, die es anders machen, die die Bühne weitläufiger aufspannen; nicht selten sind es solche, die mehr Leistung bereithalten, neben dem Pass fallen mit da die M8-Monos von Musical Fidelity ein.

Der A-3 zeichnet sich also durch hohe Akkuratesse und Realismus auf der Bühne aus, weniger durch schiere Raumgröße allein. Interessant ist der Unterschied beim schon erwähnten Heinrich-Schiff-Album: Mit dem Soulnote bekomme ich den Eindruck vermittelt, dass der Aufnahmeraum in meinem Hörraum wiederaufersteht – mit dem Pass spielt dagegen ein größeres, breiteres Cello in einem größeren, breiteren Raum, bei dem ich nicht automatisch an „Aufnahmeraum“ denke, sondern: „Aha, das passiert jetzt also in meinem Wohnzimmer“. Der Soulnote scheint näher an der Aufnahme zu sein, beim Pass finde ich es nett, dass er mir das so genussvoll-üppig präsentiert … fragen Sie mich jetzt nicht, was ich besser finde, ich kann es wirklich nicht sagen.

Auch bei der Dynamik darf das Wörtchen „realistisch“ fallen. Der A-3 gibt sich flott, schnell, unmittelbar, ich habe keinerlei Beschwerden, sei’s im Mikro- oder im Makrobereich. Freilich spielen bei mir ziemlich sensitive Acapella Lautsprechern. Wenn der Kennschalldruck Ihrer Schallwandler eher Richtung 80 als 90 dB/W/m weist und Sie größere Räume mit hohen Pegeln versorgen oder gar Orchestertutti in Originallautstärke genießen möchten … nun, natürlich gibt es da Alternativen. Fürs Geld bekommen Sie auch zehnmal so viel Power, wenn es das ist, was Sie wollen. Das ist allerdings eine Extremwertbetrachtung, in 90 % der Fälle wird niemand beim A-3 grobdynamisch etwas vermissen. Feindynamisch ebenfalls nicht, wenngleich es beispielsweise mit dem schon erwähnten Soulution 330 INT einen Vertreter dieser Klasse gibt, der Transienten und Impulse noch etwas minutiöser und explosiver transportiert, wenn ich mich recht entsinne.

Einordnung

Um den Soulnote A-3 zum Schluss noch mal grob einzuordnen: Ein wenig wirkt er so wie eine tonal neutralere, höher aufgelöste und präziser abbildende Variante meiner Pass’schen Verstärkerkombi – mit leichten Einschränkungen bei der Grobdynamik insbesondere an fordernden Lasten und der maximal erreichbaren Bühnengröße. Wer noch neutraler, also „Reine Lehre“-mäßig hören möchte, findet mit dem Soulution 330 INT einen Vollverstärker in dieser Preisklasse. Entscheidender beim Vergleich Soulution vs. Soulnote ist aber etwas anderes, nämlich Ihr Geschmack – sind Sie, sehr vereinfachend gesprochen, eher „Dynamiker“ oder „Genießer“? Der Schweizer kommt mit der Bühne offensiver nach vorne, wirkt etwas impulsiver und immersiver – der Japaner staffelt dafür tiefer und spielt bei der Natürlichkeit und Authentizität von Klangfarben und -texturen seien Stärken aus. Ja, was das angeht, geht es mit ihm in die Richtung, die der nochmals deutlich teurere CH Precision I1 seinerzeit einschlug.

So soll Highend sein – schwer und luxuriös verarbeitet, technisch innovativ und klanglich derart transparent und natürlich, dass man ihm stundenlang zuhören möchte: Der Vollverstärker Soulnote A-3 ist ein Volltreffer, ein Amp zum Ankommen.

Echte Schwächen sind bei diesem klanglichen Allrounder nicht auszumachen, gewisse „Nebenbedingungen“ aber zu beachten: Wer fordernde Lautsprecher bei hohen Pegeln maximaldynamisch betreiben möchte, könnte mehr Leistung gebrauchen, und wessen audiophiles Glück in erster Linie an uferloser Räumlichkeit hängt, findet Alternativen. Freilich sind das Einschränkungen, die nur eine Minderheit betreffen.

Der Soulnote A-3 spricht vor allem Hörer an, die höchste Auflösung, „naturidentische“ Klangfarben und eine hohe Plastizität bei der Abbildung fordern. Er bietet ein Klangbild, in dem nichts vergessen und auch scheinbar Nebensächliches im Hintergrund ganz selbstverständlich transparent nachgezeichnet wird. Oder anders gesagt: Er wirkt komplett untechnisch, natürlich und lässt die Musik quasi unberührt durch. Das ist nichts weniger als großartig.“